Inhalt

Bahnhof Ibbenbüren

Wettbewerb: Freiraum- und Verkehrsplanung Bahnhof

Der Gewinner des landschafts- und verkehrsplanerischen Wettbewerbes für das Bahnhofsareal, den die Stadt Ibbenbüren ausgeschrieben hatte, steht fest. In dem Verfahren bewertete eine Jury aus Verwaltung, Politik und Fachleuten, Bahn und RVM die eingereichten Beiträge – und fand am Ende einen klaren Sieger: Es ist das Kölner Büro GREENBOX mit einem Standort in Osnabrück (siehe auch Pressemitteilung vom 23. Juni 2022).

Platz 1: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf

GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf (Ansicht 1) © GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf
Ansicht 1 (Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf) © GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf
GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf (Ansicht 2) © GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf
Ansicht 2 (Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf) © GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf
GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf (Ansicht 3) © GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf
Ansicht 3 (Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf) © GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf
Erläuterungen

Ein Vorplatz, der verbindet
Der neue Bahnhofsvorplatz von Ibbenbüren nimmt als Gesicht der Stadt, als erste Geste für Ankommende und letzte Erinnerung für Abreisende eine wichtige Rolle ein. Es gilt einen Ort zu schaffen, der Ibbenbüren repräsentiert. Ein Ort, an dem man sich trifft und der Raum für Dialog bietet. Ein Ort, der einen vor der Reise tief Luft holen und nach der Reise erleichtert aufatmen lässt. (Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf)

Städtebau & Freiraum

Um dieser Wichtigkeit Raum zu geben, wird mit der städtebaulichen Geste ein großzügiges Platzgefüge aufgezogen. Neues Hotelgebäude, Fahrradparkhaus und bestehendes Bahngebäude werden als ein Ensemble interpretiert und fungieren als Platzkanten für den Bahnhofsvorplatz. Um die notwendige Klarheit zu erreichen, wird das Fahrradparkhaus als ein Kernelement des Mobilitätskonzeptes im Höhensprung zwischen Platz und Gleisniveau integriert. Der neue Bahnhofsvorplatz liegt an der im Ideenteil fortgeführten Innenstadt Ibbenbürens und nimmt neben der Funktion als Gesicht der Stadt Ibbenbüren auch die des Auftaktes der Innenstadt ein. Der funktional dem Thema der Mobilität zugeordnete Busbahnhof mit MIV-Stellplätzen und Taxistand wird als räumliche Fortführung des Bahnhofsvorplatzes nach Süd-Ost verstanden. Bahnhofsvorplatz und Busbahnhof verschmelzen zu einem Raum und unterstreichen die Großzügigkeit der Willkommensgeste des Ibbenbürener Bahnhofes.

Der eindeutigen städtebaulichen Geste folgend definiert sich der Charakter des Bahnhofsvorplatzes über drei Facetten. Die Erfüllung der Ansprüche an die Mobilität ist die erste Facette und steht an wichtigster Stelle. Als Kontaktpunkt zwischen ÖPNV, Bahnhof, Fahrradverkehr und fußläufigem Verkehr entsteht auf dem Bahnhofsvorplatz ein wichtiger, eindeutiger Knotenpunkt. Die von Nord-Westen kommenden parkähnlichen Strukturen werden fortgeführt und geben dem Bahnhofsvorplatz die zweite Facette und damit seine grüne Note. Die dritte Facette resultiert aus dem Gedanken, dass die Innenstadt sich über den Abzweig der Wilhelmstraße bis zum Bahnhofsvorplatz fortführen lässt. Damit ist der neue Bahnhofsvorplatz Auftakt der Innenstadt. Diese drei Facetten bilden den Charakter des Ortes und geben damit das Programm vor.

Kommunikation, Dialog, Mobilität und gestalterische Qualität gepaart mit reibungsloser Funktionserfüllung lassen den Bahnhofsvorplatz zu einem besonderen Ort werden.

Ein Kernelement des Bahnhofsvorplatzes ist die Platztribüne. Der zwischen Gleis- und Platzniveau bestehende Höhensprung wird durch eine großzügige grüne Böschung mit integrierten Sitzkanten überwunden. Auf den Platztribünen sitzend schweift der Blick über das geschäftige Treiben. Das Herz des Platzes wird durch die Ausbildung einer Platzintarsie unterstrichen. Ein repräsentativ wirkender Brunnen mit Sprudel-Fontänen schafft eine Setzung und ist nicht nur in den Sommermonaten ein Magnet für Besucher und spielende Kinder. Der Brunnen kann zur Bühne umfunktioniert werden, um bei temporären Veranstaltungen zusammen mit der Platztribüne ein Ensemble zu bilden. Die großzügige Platzfläche kann durch Veranstaltungen oder z.B. Food-Trucks bespielt werden. So entsteht mit dem Bahnhofsvorplatz Ibbenbüren ein pulsierender Ort, der das Stadtgefüge sinnvoll erweitert. Der durch das Bahnhofswäldchen auf den Platz gebrachte grüne Charakter manifestiert sich in den ökologisch wertvollen und als Retentionsraum genutzten Pflanzinseln auf dem Bahnhofsvorplatz. Kommunikative Sitzkanten und eine Fläche mit wassergebundener Wegedecke unterstreichen den Wohlfühlcharakter des Platzes. An der süd-östlichen Kante des Platzes definieren zwei große, beidseitig nutzbare Sitzelemente den fließenden Übergang zum Busbahnhof und funktionieren als subtiles Bindeglied der beiden Räume.

(Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf)

Ausstattung und Materialität

Die Willkommens-Geste wird durch Materialität und Ausstattung unterstützt. Ein individueller Materialkanon warmer grau-braun Töne erinnert an den Ibbenbürener Sandstein und schafft eine freundliche Atmosphäre. In der Belagsmaterialität wird unterschieden zwischen Bewegungsbereichen und Platzintarsie, um die Platzmitte zu stärken. Richtungsloser, großformatiger Belag auf der Platzintarsie und ruhiger, struktur-bringender, längstformatiger Belag, in Reihe verlegt, zurrt den gesamten Raum zusammen. Im Fahrbereich des Busbahnhofs wird dem hohen Nutzungsdruck entsprechend eine Ortbetondecke verbaut. Sitzangebote wie die großzügigen Bahnhofsbänke und die große Freitreppe werden als qualitätvolle Betonelemente ausgebildet und schaffen einen mit freundlicher Atmosphäre korrelierende hochwertigen Eindruck. Skulptural wirkende Lichtmasten unterstützen diesen Eindruck.

Um die Unterführung stärker mit dem Bahnhofsplatz zu verbinden, wird der Bodenbelag vom Platz kommend fortgeführt. Für die Fassaden der Unterführung wird ein in Gelbtönen changierendes Muster vorgeschlagen, das die Unterführung optisch aufwertet und freundlicher gestaltet. Die für die Geschichte Ibbenbürens wichtigen geologischen Schichten werden durch eine künstlerische Gestaltung dieser Fassade aufgedeckt und erlebbar gemacht. Ein Ankommen am Bahnhof wird so zum besonderen Erlebnis und der Bahnhof bekommt ein einmaliges Markenzeichen.

Für einen qualitativ hochwertigen Grünanteil sorgen die Pflanzinseln auf dem Bahnhofsvorplatz. Sie schaffen ausreichend Wurzelvolumen, Retentionsraum und Abkühlung. Schattenspendende Baumsetzungen und standortgerechte Unterpflanzung kombiniert mit Sitzangeboten generieren Aufenthaltsqualität, Belebung und damit auch soziale Kontrolle auf dem neuen Bahnhofsvorplatz.

(Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf)

Verkehr & Mobilität

Der Ibbenbürener Bahnhofsvorplatz bündelt zukünftig die verschiedenen Mobilitätsarten an einem städtisch zentralgelegenen Knotenpunkt. Um den vielfältigen Belangen gerecht zu werden, werden die zentralen Mobilitätselemente Fahrrad, MIV und ÖPNV konzeptionell vereint und neu arrangiert.

Die Wilhelmstraße behält ihre übergeordnete Funktion als Verbindungsstraße im Zweirichtungsverkehr (Tempo 30) bei, wird dabei allerdings in ihrer Ausprägung optimiert. Durch einen leichten Versatz nach Süden wird dem Bahnhofsvorplatz und dem ZOB der nötige Raum geboten. Im Bereich der Querungen zur Abzweigung der Wilhelmstraße und zum Bürgerhaus ermöglichen Aufpflasterungen den sicheren Übergang für Fußgänger. Durch den deutlichen Materialwechsel und die Erhöhung der Fahrbahn entsteht im motorisierten Verkehr zusätzlich eine Temporeduzierung und damit gesteigerte Aufmerksamkeit. Die Zufahrten des ZOB priorisieren durch Lichtsignalanlagen den Busverkehr und ermöglichen eine konfliktfreie Ein- bzw. Ausfahrt der Busse.

Der zentrale Omnibusbahnhof wurde umfassend neuorganisiert und als Ergänzung des Bahnhofvorplatzes in das freiraumplanerische Gesamtkonzept eingebunden. Intuitive Wegeführung und die Erfüllung der Mobilitätsansprüche stehen im Mittelpunkt der Konzeption.

Für den Linienbusverkehr wird die zentralgelegene, großzügige und überdachte Halteinsel mit 6 Haltestellen vorgesehen, sodass eine leichte Auffindbarkeit aller Linien und kurze Umsteigezeiten gewährleistet werden. Die an der Wilhelmstraße angrenzende Halteinsel wird für Schulbusse und als Pausenhaltestelle vorgesehen, wodurch eine klare, logische Verteilung der unterschiedlichen Bus-Nutzungen hergestellt wird und Konflikte bei der An- und Abfahrt minimiert werden. Eine wichtige fußläufige Verbindung vom Bahnhof zum Bürgerhaus und Goethe-Gymnasium wird etabliert und in den ZOB integriert, welche die Passanten gleichzeitig zum Linienbusangebot der Stadt leitet.

Breite, abgesenkte und markierte Querungen zwischen den Halteinseln sowie ein taktiles Leitsystem erwirken eine sichere und barrierefreie fußläufige Erschließung. Das ÖPNV-Angebot wird durch 6 Taxi Haltebereiche, welche direkt am Bahnhofszugang und Vorplatz im Nachrückerprinzip verortet sind, ergänzt.

Der MIV erhält eine eigene Fahrspur im Einrichtungsverkehr, sodass eine größtmögliche Entkopplung vom ÖPNV stattfindet. Die 10 Kiss & Ride Stellplätze, davon 2 behindertengerecht, 2 Car-Sharing Stellplätze sowie die für die Mitarbeiter von Stellwerk und Radstation benötigten Parkplätze befinden sich unmittelbar in Schrägaufstellung am Stellwerk.

Die Radwegeführung wird vom östlichen Abschnitt der Wilhelmstraße aus auf der Fahrbahn fortgeführt und wechselt im Bereich der Querung am Bahnhofsvorplatz auf separate, baulich von der Fahrbahn getrennte Radwege, sodass an die bestehenden Wege am Knotenpunkt Oststraße/Wilhelmstr./Osnabrücker Str. angeknüpft werden kann. Über den Bahnhofsvorplatz gelangen Radfahrer auf direktem Wege zur neuen Radstation. Eine an die Radstation angegliederte Fahrradrampe verbindet den Bahnhofsvorplatz mit dem Bahnhofshain und damit mit dem Ibbenbürener Altpark.

Das Nördliche Bahnhofs-Entree an der Laggenbecker Str. wird gestalterisch und funktional aufgewertet. Durch den großzügigen Vorplatz, eine breite Treppen- und barrierefreie Rampenanlage wird der Bahnhofstunnel möglichst offen, einsichtig und ansprechend erschlossen. Durch ein zusätzliches Angebot an überdachten Fahrradstellplätzen, 15 Parkplätzen (davon 3 behindertengerecht) und der angeschlossenen Bushaltestelle wird auch hier die Kombination verschiedener Mobilitätsarten sinnvoll verknüpft.

Das Ensemble aus Bahnhof, Radstation und ZOB, ergänzt durch direkte Fuß- und Radwegeverbindungen, lässt den Ibbenbürener Bahnhof zukünftig zu einem zentralen Rückgrat der städtischen und überregionalen Mobilität werden.

(Quelle: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, mit emig-vs, Düsseldorf)

Siegerentwurf zum Herunterladen

Platz 2

2. Rundgang

2. Rundgang

2. Rundgang


Mehr zum Thema

Online-Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes

Meldungen