Fachtag Frühe Hilfen: Kindliche Entwicklung im Fokus
Rund 85 Fachkräfte tauschen sich über kindliche Bedürfnisse und den Umgang mit herausforderndem Verhalten aus
Ibbenbüren, 14. Oktober 2026. Was fordert Kinder heute heraus? Wie können Fachkräfte ihre Bedürfnisse besser verstehen und sie in ihrer Entwicklung unterstützen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 85 Fachkräfte beim Fachtag der Frühen Hilfen unter dem Titel „Herausforderung – kindliche Entwicklung heute“ am Montag im blick.punkt Ibbenbüren.
Vorbereitet und umgesetzt wurde die Veranstaltung von der Steuerungsgruppe der Frühen Hilfen unter Federführung der Netzwerkkoordinatorin Maria Jasper. Die Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Bereichen der frühkindlichen Bildung und Betreuung, darunter Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege und Erziehungshilfe. Moderiert wurde der Fachtag von Francisca Keßling, Abteilungsleitung Konzeptionen und Spezialdienste der Stadt Ibbenbüren.
Nach der Begrüßung durch Thorsten Runde, Leiter des städtischen Fachdienstes Kinder, Jugend und Familie, der die Bedeutung der Frühen Hilfen und Wissen als Schutzfaktor für Fachkräfte hervorhob, führten Maria Jasper und Martina Hannweber, Abteilungsleitung Konzeptionen und Spezialdienste, in das Thema ein. Sie betonten, dass die zunehmend komplexe Lebenswelt Kinder, Familien und Fachkräfte vor große Herausforderungen stelle.
Kindliches Verhalten besser verstehen
Die Diplom-Heilpädagogin Birgitt Höbeler-Gilhaus, Fachkräfteberaterin bei WissenSchafts und Lehrbeauftragte an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, ging in ihrem Vortrag der Frage nach, ob eher die Kindheit herausfordernder geworden sei oder Kinder als herausfordernd wahrgenommen würden. Sie zeigte auf, wie fehlender Zuspruch, mangelnde Verbundenheit und zu wenige Erfahrungen die Entwicklung beeinflussen können. Auch starke Gefühle wie Wut seien wichtige Erfahrungen, die Kinder bei ihrer Entwicklung begleiten.
Die Familienberaterin, Pädagogin und Autorin Inke Hummel widmete sich in zwei Vorträgen den unterschiedlichen Wesensarten von Kindern und dem Umgang mit herausforderndem Verhalten. Sie machte deutlich, dass Kinder unterschiedliche Temperamente mitbringen und soziale sowie emotionale Kompetenzen erst im Laufe der Entwicklung erwerben. Dafür benötigten sie Zeit, Übung und konkrete Unterstützung.
Anweisungen allein reichten häufig nicht aus. Vielmehr müssten Erwachsene Kindern auch zeigen, wie sie bestimmte Situationen bewältigen können. Das gelte beispielsweise für die Impulskontrolle und den Umgang mit den eigenen Gefühlen. „Es wird besser, wenn Kinder verstehen“, erklärte Hummel. Auch Ruhe und Verständnis aufseiten der Erwachsenen seien entscheidend – im pädagogischen Alltag ebenso wie in anderen Stresssituationen.
Austausch und Impulse für die Praxis
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit mit Eltern. Ziel war es, Fachkräfte darin zu stärken, gemeinsam mit Eltern passende Wege zur Unterstützung der Kinder zu entwickeln.
Zwischen den Vorträgen und beim anschließenden Fachkräfteaustausch mit beiden Referentinnen diskutierten die Teilnehmenden, wie sich die Erkenntnisse in den pädagogischen Alltag übertragen lassen. Die positiven Rückmeldungen unterstrichen den Wert der fachlichen Impulse und des gemeinsamen Austauschs.
Zum Abschluss ermutigte Martina Hannweber die Fachkräfte, sich ihrer wichtigen Rolle bewusst zu sein: Sie können für ein Kind die entscheidende Bezugsperson sein, die es wahrnimmt, wertschätzt und ihm vermittelt: „Ich glaub an dich.“