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Datum: 02.06.2026

Wenn das Online-Schnäppchen zum kostspieligen Reinfall wird

Beratungsstelle Rheine stellt Jahresbericht 2025 vor / Digitale Konsumwelt führt zu komplexeren Anliegen

20260602 - Wenn das Online-Schnäppchen zum kostspieligen Reinfall wird
Beratungsstellenleiterin Laura Egberink (Foto: Verbraucherzentrale NRW)

Rheine/Ibbenbüren, 2. Juni 2026. Untergeschobene Verträge, missglückte Widerrufe oder Ärger mit Zahlungsdienstleistern: Bei rund 4.600 Anliegen war die Verbraucherzentrale in Rheine mit ihrer Außenstelle in Ibbenbüren im vergangenen Jahr wieder verlässliche Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigten Forderungen einen Riegel vorzuschieben. „Käufe, Buchungen oder Vertragsabschlüsse finden heute überwiegend digital statt. Das ist einerseits bequem, führt aber auch zu vielfältigen und immer komplexer werdenden Problemen. Wenn Anbieter dann nur noch per KIgesteuertem Chatbot oder Kontaktformular erreichbar sind oder gar nicht reagieren,
sind viele Verbraucher:innen überfordert“, berichtet Laura Egberink, Leiterin der Beratungsstelle Rheine.

Von immer professioneller gestalteten Fakeshops über vermeintliche „Hilfen“ beim Ausfüllen von Behördenanträgen bis hin zu Coaching-Angeboten mit zweifelhaftem Nutzen: So manches Online-Schnäppchen wurde für die Verbraucher:innen im Kreis Steinfurt im vergangenen Jahr zur kostspieligen Falle. „Die Menschen sind dann sehr erleichtert, wenn ihre Probleme gelöst werden können“, so Egberink. Der Blick in den Jahresbericht
2025 zeigt: Bei rund 1.900 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt.

Typische Fälle aus der Beratungspraxis:

  • Reklamationen wurden von Händlern mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt
  • Bei Online-Bestellungen kam es zu falschen Lieferungen und strittigen Retouren
  • Kostenfallen durch sogenannte Dokumenten-Dienstleister nahmen zu
  • Abo-Fallen, etwa bei vermeintlich kostenlosen Zeitschriften, sorgten für Beschwerden
  • Aufdringlicher Vertrieb beim Glasfaserausbau führte zu unerwünschten Vertragsabschlüssen
  • Teure „Knöllchen“ oder sogar abgeschleppte Autos auf dem Supermarktparkplatz machten Ärger

Angesichts der gestiegenen Nachfrage sei es daher besonders erfreulich und wichtig, so Egberink, dass

- die Finanzierung der Beratungsstelle auf Basis eines mehrjährigen Vertrags mit den Städten Rheine und Ibbenbüren und dem Kreis Steinfurt gesichert werden konnte

- durch Umstellung auf den landesweiten Zugang die digitale und telefonische Erreichbarkeit deutlich ausgeweitet werden konnte. „Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft und erfahren dafür viel positive Resonanz der Ratsuchenden.“

Kein Schutz beim Käuferschutz

Ein zentrales Thema im Berichtsjahr: der vermeintliche Käuferschutz bei Zahlungsdiensten wie PayPal, Klarna oder Amazon Pay. Viele Verbraucher:innen verließen sich darauf – und standen im Streitfall dennoch ohne Erstattung da. Die Beratungsstelle klärte rund um den Weltverbrauchertag im März vergangenen Jahres darüber auf, dass gesetzliche Gewährleistungsrechte oft weiter reichen als freiwillige Schutzversprechen der Anbieter.

Künstliche Intelligenz bringt neue Herausforderungen

Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in der Beratung deutlich spürbar, so die Beratungsstellenleitung: „Eine falsche KI-Rechtsauslegung führt oft zu Erwartungen, die sich rechtlich gar nicht durchsetzen lassen. Wir müssen diese Erwartungen dann in realistische Bahnen lenken – und manchmal auch enttäuschen.“ Zugleich beobachtet die Verbraucherzentrale NRW neue Risiken: KI-generierte Inhalte können Verbraucher:innen in unseriöse Beratungsangebote führen. Perspektivisch sollen jedoch auch eigene KI-Anwendungen die Arbeit der Verbraucherschützer unterstützen. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie nach Informationen suchen und prüfen, wie KI unsere Beratung sinnvoll ergänzen kann“, erklärt Laura Egberink.

Dubiose Forderungen und gefährlicher Pillen-Verkauf

Schon in den Vorjahren ist der Düsseldorfer Telekommunikationsanbieter 1N Telecom negativ aufgefallen. Nun wurden auch Verbraucher:innen im Kreis Steinfurt durch Forderungen eines Inkassodienstleisters verunsichert. Verlangt wurden von vielen Betroffenen rund 420 Euro. Die Beratungsstelle half mit rechtlichen Einschätzungen, Musterbriefen und aktiver Unterstützung bei der Rechtsdurchsetzung. Eine besonders miese Betrugsmasche schlug zudem im März 2025 Wellen: Per Telefon oder über dubiose Internetseiten wurden wirkungslose Nahrungsergänzungsmittel als angeblicher Ersatz für verschreibungspflichtige Diabetesmedikamente angeboten, oft mit angeblicher Empfehlung bekannter Fernsehärzte oder von Prominenten.

Erneuerbare Energien und Klimaanpassung praktisch erklärt

Extreme Wettereignisse wie Hitze und Starkregen werden auch im Kreis Steinfurt zunehmend spürbar und fordern Hauseigentümer:innen und Mieter:innen heraus, sich an die Folgen der Klimaveränderung anzupassen. Aber auch die hohen Kosten für fossile Brennstoffe treiben die Verbraucher:innen um. „Ob Begrünung und Dämmung oder Steckersolargeräte und neue Heizungstechnik: Mit Vorträgen, Online-Seminaren und Rundgängen haben wir aufgeklärt und praktische Informationen vermittelt, wie das Zuhause in Sachen Energie auf Zukunftskurs gebracht werden kann – teilweise schon mit einfachen Maßnahmen, die nicht viel kosten“, sagt Energieberater Hans-Jürgen Janning.

„Viele Menschen sind besorgt und verunsichert wegen der aktuellen Auswirkungen globaler Krisen wie dem Irankrieg. Steigende Preise für Energie und Lebenshaltung belasten gerade Haushalte mit geringem Einkommen. Da ist besonders wichtig und hilfreich, wenn wir bei Alltagsproblemen unterstützen und finanziellen Schaden abwenden können“, so das Fazit von Beratungsstellenleiterin Laura Egberink.

Weiterführende Infos

www.verbraucherzentrale.nrw/rheine-jahresbericht2025

Für weitere Informationen

Beratungsstelle Rheine
Verbraucherzentrale NRW e.V.
Laura Egberink / Leitung
Auf dem Thie 34, 48431 Rheine
T 0211 / 913804306
rheine@verbraucherzentrale.nrw
www.verbraucherzentrale.nrw

Quelle: Verbraucherzentrale NRW