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Bewegende Einblicke in die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
Zeitzeuge Anatolii Gubarev berichtet vor rund 200 Jugendlichen in Ibbenbüren
Ibbenbüren, 25. April 2026. Als es am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl zur Katastrophe kam, wusste Anatolii Gubarev nicht, welche Gefahr ihn erwartete. Wenig später wurde er als sogenannter Liquidator an den havarierten Reaktor geschickt – in ein hochverstrahltes Gebiet, dessen Ausmaß damals kaum abzuschätzen war. Die Folgen dieses Einsatzes prägen sein Leben bis heute.
40 Jahre später berichtete Gubarev im Rahmen des Gaia-Projekts in der St.-Ludwig-Kirche in Ibbenbüren vor rund 200 Schülerinnen und Schülern eindringlich von seinen Erlebnissen. Er schilderte die dramatischen Bedingungen vor Ort, die Unsicherheit der Einsatzkräfte und die gesundheitlichen Schäden, die er durch die Strahlung davontrug.
Nach dem Unglück war Gubarev an den Aufräum- und Löscharbeiten beteiligt – unter Bedingungen, die aus heutiger Sicht als lebensgefährlich gelten. Viele der eingesetzten Männer wussten nicht, welchem Risiko sie ausgesetzt waren. Auch Gubarev leidet bis heute unter den Folgen seines Einsatzes.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen neben seinen persönlichen Erfahrungen auch die langfristigen Auswirkungen der Katastrophe auf Mensch und Umwelt sowie grundsätzliche Fragen zur Nutzung der Atomkraft.
Durch das Programm führte Christoph Moormann, die Übersetzung übernahm Emma Agnischock. Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer begrüßte die Teilnehmenden und erinnerte an die Auswirkungen des Unglücks. Zugleich dankte er Gubarev und dem Organisationsteam für ihr Engagement und appellierte an die Jugendlichen, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung kamen die Schülerinnen und Schüler mit Weihbischof Rolf Lohmann ins Gespräch, der in der Deutschen Bischofskonferenz für Umweltfragen zuständig ist.
Eingerahmt wurde die Veranstaltung von der Installation „Gaia“ des britischen Künstlers Luke Jerram, die seit dem 12. April in der St.-Ludwig-Kirche zu sehen ist. Die begehbare Darstellung der Erde macht deren Schönheit ebenso wie ihre Verletzlichkeit erfahrbar. Während der dreiwöchigen Ausstellungszeit organisiert ein ehrenamtliches Team ein vielfältiges Begleitprogramm mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.
„Dass es gelungen ist, diese Ausstellung nach Ibbenbüren zu holen und ein so vielseitiges Programm zu realisieren, zeigt das große Engagement vor Ort“, betont Schrameyer. „Die hohe Resonanz bestätigt das Interesse an den behandelten Themen.“