Geschichten, die berühren: Luigi Toscano liest aus „Kanakenkind“
Geschichten, die berühren: Luigi Toscano liest aus „Kanakenkind“
Fotograf und Filmemacher ist am 16. November in Ibbenbüren zu Gast / Karten sind in der Stadtbücherei kostenlos erhältlich
Ibbenbüren, 23. Oktober 2026. Mit seinem Fotoprojekt „Gegen das Vergessen“ hat Luigi Toscano weltweit Aufmerksamkeit erregt. Nun kehrt der Fotograf und Filmemacher nach Ibbenbüren zurück: Am Montag, 16. November, liest er um 19.30 Uhr in der Erna-de-Vries-Gesamtschule aus seinem Buch „Kanakenkind“. Die Veranstaltung lädt dazu ein, sich mit persönlicher und historischer Erinnerung, Ausgrenzung und der Frage auseinanderzusetzen, wie Herkunft und Identität unser Leben prägen. Karten für die Lesung sind kostenlos in der Stadtbücherei Ibbenbüren erhältlich.
Luigi Toscano, Sohn sizilianischer Einwanderer, wuchs in Deutschland unter schwierigen Bedingungen auf. Ausgrenzung, Gewalt und Vernachlässigung prägten seine Kindheit und Jugend. In der Fotografie fand er einen Weg, seine Erfahrungen zu verarbeiten und zugleich anderen Menschen eine Stimme zu geben. Heute zählt er zu den international bekannten Fotografen, die sich intensiv mit den Folgen von Krieg, Verfolgung und Gewalt auseinandersetzen.
Mit seinem Projekt „Gegen das Vergessen“ porträtierte Toscano mehr als 600 Überlebende des Holocaust. Die großformatigen Fotografien wurden an öffentlichen Orten in zahlreichen Städten und Ländern gezeigt, darunter in Deutschland, Paris und New York. Die unmittelbaren Porträts machen die Menschen hinter den historischen Ereignissen sichtbar und schaffen einen persönlichen Zugang zur Erinnerungskultur.
In seinem Buch „Kanakenkind“ verbindet Toscano seine eigene Lebensgeschichte mit der von Anna Iwanowa aus Kiew. Sie wurde 1943 als Kleinkind nach Auschwitz deportiert. Ihre Geschichte führt zu Fragen nach Herkunft, Identität und den langfristigen Folgen nationalsozialistischer Verbrechen. Toscanos Auseinandersetzung mit ihrer Biografie macht deutlich, wie eng persönliche Schicksale und historische Verantwortung miteinander verbunden sind.
Für Ibbenbüren ist der Besuch Toscanos eine Rückkehr: Im November 2024 war seine Ausstellung „Gegen das Vergessen“ drei Wochen lang in der Stadt zu sehen. Tausende Schülerinnen und Schüler sowie Erwachsene besuchten die Präsentation. Ehrenamtliche Guides begleiteten die Ausstellung und ermöglichten vielen Menschen eine intensive Auseinandersetzung mit den porträtierten Überlebenden.
Ihr Engagement wurde mit dem Ehrenamtspreis 2025 des Bistums Münster ausgezeichnet. Inzwischen sind sie auch für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Die Publikumsabstimmung läuft noch bis zum kommenden Montag, 26. Oktober. Unter folgendem Link kann für das Projekt gestimmt werden:
https://www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis/nominierte/6847-projekt-der-erinnerungskultur-gegen-das-vergessen-ibbenbueren
Im Frühjahr 2025 und im Januar 2026 war Toscano mit Vorführungen seines vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilms „Schwarzer Zucker, rotes Blut“ in Ibbenbüren zu Gast. Bei diesen Veranstaltungen war auch die Zeitzeugin Anna Strishkova dabei.
Termin und Karten
Die Lesung findet am Montag, 16. November, um 19.30 Uhr in der Erna-de-Vries-Gesamtschule statt. Kostenlose Karten sind während der Öffnungszeiten in der Stadtbücherei erhältlich.
Die Öffnungszeiten der Stadtbücherei Ibbenbüren sind dienstags von 10 Uhr bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags von 14 Uhr bis 18 Uhr, freitags von 10 Uhr bis 12 Uhr sowie von 14 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr.