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Datum: 14.07.2020

Auszubildende hat Prüfungsbuch für sich und Kollegen erstellt

Kreatives Werk von Laura Nieland findet Anerkennung von Könnern

Auszubildende hat Prüfungsbuch für sich und Kollegen erstellt
Weil der Markt nichts Passendes zum Pauken liefert, hat sie kurzerhand eigeninitiativ vorgelegt: Laura Nieland mit einem layouteten Muster ihres Lernbuches zur Bautechnik. Das übersichtlich strukturierte, präzise Werk hat inzwischen Kreise gezogen - und Lob von Fachleuten bekommen. (Foto: Stadt Ibbenbüren / André Hagel)

Ibbenbüren, 14. Juli 2020. Wer in seinem Fach etwas werden will, muss lernen. Wer lernen und sich auf Prüfungen vorbereiten will, braucht dazu die passenden Lehrbücher. Was aber, wenn der Leistungsbereite merkt, dass es das, was er braucht, in handelsüblicher Form gar nicht gibt? Und wenn er deswegen noch lange nicht seine Prüfung einfach auf kleiner Flamme kochen möchte? Was dann?

Laura Nieland ist Auszubildende der Stadt Ibbenbüren. Die 22-Jährige wird Bauzeichnerin im Bereich Tief-, Straßen- und Landschaftsbau. Und sie hat genau diese Erfahrung gemacht: Als sie sich nämlich daran machte, für die Prüfungsvorbereitung die eigenen Unterrichtsnotizen aufzubereiten und im Weiteren für einige Themen Prüfungsbücher hinzuzuziehen, stellte sie fest: Nicht in allem gibt der Markt viel her. „Zu Themenaspekten des Tiefbaus beispielsweise fand ich lediglich zwei kleine Kapitel – in einem Tabellenbuch für Hochbau“, berichtet sie über ihre ernüchternden Rechercheefahrungen. „Ob allgemeine Infos zu Asphaltdecken von Straßen oder Erläuterungen zu Gullies, also zu Versorgungsschächten für Regen- und Abwasser: Zu diesem und anderem fand ich überall nur Stückwerk. Immer wieder suchte ich konkrete Infos oder bestimmte Tabellen – aber in der gängigen Unterrichtsliteratur: Fehlanzeige.“

Mit der Ernüchterung ob der Info- und Lernstoffflaute wollte sich Laura Nieland nicht zufriedengeben. Sie trug kurzerhand zusammen, was in der Fachliteratur zu finden war, verband das Recherchierte mit den eigenen Notizen aus dem Unterricht, gab den jeweiligen Themen eine entsprechende Strukturierung. Ihr Gedanke dabei: „Ich kann besser alles kompakt nochmal schreiben – das beschert auch einen Übungseffekt, und am Ende habe ich den Stoff zusammengefasst.“ Schließlich machte sie sich, weil auch dies das Lernen erleichtert, noch an ein übersichtliches Layout des Erarbeiteten.

Was da entstanden war, bekamen auch Nielands Kollegen zu Gesicht, Mit-Azubis ebenso wie alte Fachhasen. Deren anerkennende Reaktion: „Das ist inhaltlich wirklich gut und außerdem super gelungen!“ Ihr Ausbilder unterzog das persönliche Lern-Opus ebenfalls seinem Argusauge – und gab die fachliche Adelung: „Alles korrekt.“ Ohne es in dieser Form geplant zu haben, hatte Laura Nieland ein vollgültiges Lehrbuch geschaffen, 93 Seiten stark, fast quadratisch, praktisch und gut auf jeden Fall.

Die Mitte März in Angriff genommene und inzwischen beendete Fleißarbeit mit dem zugegeben eher nüchternen Titel „Bautechnik – Tabellenbuch für Tief-, Straßen- und Landschaftsbau“ dient mittlerweile nicht mehr bloß dem persönlichen Paukpensum ihrer Schöpferin. Das Lernwerk kursiert am Berufskolleg Rheine bereits in Nielands Kollegenkreis und wird dort rege fürs individuelle Büffeln genutzt. Es überzeugt durch kurze, übersichtliche, präzise Infos zur Prüfungsvorbereitung. Zufallsautorin Nieland wird es bei der Industrie- und Handelskammer einreichen: Sie möchte erreichen, das eigene Buch in der Prüfung nutzen zu dürfen. Angesichts des fachlichen Lobes durch Könner eigentlich ein nur logischer Schritt, im eigenen Sinne wie dem anderer Azubis.

Es ist ein Schritt, den auch Andrea Guhe begrüßenswert findet: „Es gibt in der Ausbildung Lerngruppen, auch generationenübergreifend. Die Azubis zeigen Einsatz. Ein Produkt wie dieses Buch habe ich allerdings bislang noch nicht erlebt – und ich begleite Azubis immerhin seit 2008“, zollt die Ausbildungsleiterin der Stadt Ibbenbüren dem Engagement ihrer jungen Kollegin hohe Anerkennung. „Das ist echte Eigeninitiative, und ich finde es klasse, dass davon auch andere profitieren.“ Sie wünscht Laura Nieland, dass der Einsatz als Autorin weitere Kreise zieht als lediglich bis zum Prüfungstermin.

Die solcherart mit Anerkennung Bedachte hat die Bestätigung von vielen fachkundigen Seiten derweil zum Nachdenken gebracht. „Es gibt noch ein paar inhaltliche Aspekte, die ich hinzufügen könnte“, erklärt sie. Lust, noch etwas dranzupacken, verspürt Laura Nieland durchaus. Das Lernbuch, jetzt schon eine runde Sache, könnte nach der Erweiterung weiteren Generationen von Auszubildenden zugute kommen, sogar deutschlandweit, wenn sich ein Verlag dafür findet. Das Beispiel Nielands und ihrer Mit-Azubis zeigt: Ein Bedarf wäre gegeben. Käufer somit sicherlich auch.