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Datum: 02.12.2022

Eine High-Tech-Kommandozentrale mit 170 Pferdestärken

Feuerwehr Ibbenbüren nimmt neuen Einsatzleitwagen (ELW) in Dienst

Eine High-Tech-Kommandozentrale mit 170 Pferdestärken
Stefan Plumpe, Michael Robbes (Sachgebietsleiter Technik und Ausbildung bei der Feuerwehr), Marko Lammerskitten (Leiter der Feuerwehr) und die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Stadt, Brigitte Janz (v. l.), vor dem neuen Einsatzleitwagen der Feuerwehr Ibbenbüren. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Ibbenbüren, 2. Dezember 2022. Die Feuerwehr Ibbenbüren hat ihren neuen Einsatzleitwagen, kurz ELW, in Dienst genommen, gewissermaßen die rollende Kommandozentrale der Feuerwehr. Glänzend – natürlich in Rot – und randvoll mit moderner Technik.

Rollende Kommandozentrale? „Vom ELW aus werden zum Beispiel Einsatzmittel und Einsatzkräfte koordiniert, aber auch der Funkverkehr“, erklärt Marko Lammerskitten, Leiter der Ibbenbürener Feuerwehr. Er ist also das Backoffice für den Einsatzleiter am Brandherd oder Unfallort. „Und unser alter ELW war schon fast 20 Jahre alt. Er hat uns wirklich treue Dienste geleistet, aber er entsprach nicht mehr den stetig steigenden Ansprüchen in der Kommunikations-Technik und im Platzangebot für Ausstattung und Bedienungspersonal“, erläutert Lammerskitten. Von daher sei die Neuanschaffung nicht etwa ein Geschenk, sondern „unter Sicherheitsgesichtspunkten eine absolute Notwendigkeit“ gewesen, so der Leiter der Feuerwehr weiter. „Wenn man den Bürgerinnen und Bürgern schnell und zuverlässig Hilfe leisten will, dann braucht man die entsprechende Ausstattung“, bestätigt die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Stadt, Brigitte Janz. „Deswegen hat die Stadt hier rund 200.000 Euro in die Sicherheit der Ibbenbürenerinnen und Ibbenbürener investiert.“

Für die Besetzung des ELW und die Organisation der rückwärtigen Einsatzunterstützung im Ernstfall gibt es eine Gruppe aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren. 14 sind sie zusammen. Erfahrene Kräfte aus allen vier Löschzügen der Stadt, die im Einsatz schon eine Menge erlebt haben. Fachleute sowieso. Brandmeister mit Gruppenführerausbildung. Oder eben ausgebildete Funker. Aber alle freiwillig dabei. Einer von ihnen ist Stefan Plumpe. „Wir unterstützen den Einsatzleiter, suchen Informationen heraus, stellen Kontakte her, koordinieren die Einsatzkräfte, sind Ansprechpartner für anrückende Fahrzeuge, und und und“, beschreibt er einen typischen „Arbeitstag“ im ELW. Kurz: Sie organisieren den ganzen Einsatz. „Ich arbeite mehr mit Löschpapier als mit Löschwasser“, sagt Plumpe lachend. Dabei stimmt das gar nicht – denn bei der Feuerwehr hat die Digitalisierung voll durchgeschlagen. Schon längst. Ein Beispiel: Wird auf einem der ELW-Rechner die Einsatz-Adresse eingegeben, dann erscheint auf dem Bildschirm sofort eine Detailkarte mit allen Hydranten in der Nähe. Aufwändige Suche? Überflüssig! Einsatztempo? Deutlich erhöht! Dazu gibt es noch Lagekarten, Gebäudepläne und vieles, vieles mehr.

Eine High-Tech-Kommandozentrale mit 170 Pferdestärken
Die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Stadtverwaltung, Brigitte Janz, lässt sich von Stefan Plumpe (r.) und Marko Lammerskitten den neuen ELW erläutern. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Mit all dem muss natürlich geübt werden. Wieder und wieder. Denn im Einsatz muss alles sitzen. Deswegen übt die ehrenamtliche ELW-Gruppe fleißig. Regelmäßig zusätzlich zum normalen Ausbildungsdienst der Freiwilligen Feuerwehr. Und on top auch noch in kleineren Gruppen, wenn die Zeit da ist. Alle Szenarien müssen durchgespielt werden. Unwetterlage, Großbrand, Massen-Verkehrsunfall – und was es sonst noch so gibt. Und die Funktionen des Fahrzeugs werden dabei auch geschult. „Die Gruppe investiert wirklich eine Menge ihrer Freizeit, und dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Marko Lammerskitten.

Die ELW-Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr durfte ihre Expertise bei der Ausstattung des neuen Fahrzeugs einbringen, durfte Wünsche äußern, durfte ihre Einsatzerfahrungen in den Bau einfließen lassen. „Wir sind ja auch die, die damit arbeiten“, sagt Stefan Plumpe. „Für uns ist es grundsätzlich sehr wichtig, das Wissen und die Erfahrung der zukünftigen Nutzer bei der Konzeption von neuen Fahrzeugen oder Geräten mit einfließen zu lassen“, ergänzt Marko Lammerskitten. Und: Der ELW ist das erste Feuerwehrfahrzeug der Stadt mit der „Skyline-Silhouette“ Ibbenbürens im Außendesign.

Die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Stadt, Brigitte Janz, nahm „den Neuen“ jetzt in Augenschein und ließ sich in seine „Geheimnisse“ einweihen. Denn auch für sie ist der ELW wichtig. Bei größeren Einsätzen können die Einsatzleitung der Feuerwehr sowie die Vertreter anderer Fachdienste der Stadtverwaltung in diesem Fahrzeug zu einem Führungsstab zusammenkommen und die Zusammenarbeit abstimmen. „Bei schwierigen Einsätzen zählt jede Sekunde, und es muss das Ziel sein, immer nicht nur größtmögliche Effizienz und Schlagkraft, sondern gleichzeitig auch die höchstmögliche Sicherheit für die eingesetzten Kräfte zu gewährleisten“, so Brigitte Janz. „Dieses Fahrzeug ist notwendig, um professionell arbeiten zu können. Je besser wir vorbereitet sind, desto besser für die Bürgerinnen und Bürger.“

Passend zur Indienststellung des neuen ELW strukturiert die Feuerwehr Ibbenbüren darüber hinaus ihre gesamte rückwärtige Einsatzunterstützung neu. Das bedeutet: Alles, was beim Einsatz im Hintergrund geschieht, wird künftig IT-gestützt organisiert. Dafür ist bereits vor einiger Zeit die neue Einsatzführungssoftware „Fireboard“ angeschafft worden. Durch diese Neustrukturierung will die Feuerwehr Ibbenbüren noch besser auf sich verändernde Herausforderungen wie häufige und extreme Unwetterlagen oder ähnliches vorbereitet sein, ergänzt Marko Lammerskitten.

Eine High-Tech-Kommandozentrale mit 170 Pferdestärken
Die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Stadtverwaltung, Brigitte Janz, lässt sich von Stefan Plumpe (r.) und Marko Lammerskitten den neuen ELW erläutern. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)
Zahlen, Daten, Fakten

Was wiegt eigentlich so ein Spezialfahrzeug mit seinen fast sieben Metern Länge? Zwischen 5 und 5,5 Tonnen bringt der Ibbenbürener ELW auf Mercedes-Sprinter-Basis auf die Waage. Deshalb braucht es auch den Führerschein der Klasse C1. Und er hat ordentlich Power unter der Haube – ganz genau 170 Pferdestärken. Gebaut wurde er übrigens von der Firma BOS-mobile in Haren/Emsland.

Wissenswertes

Was man über den Neuzugang im Fuhrpark der Feuerwehr Ibbenbüren sonst noch so alles wissen sollte? Dass er ein echter High-Tech-Kamerad ist. Er verfügt über drei vollwertige Arbeitsplätze mit jeweils einer IDECS-Funkanlage. Er hat einen Antennen- oder Lichtmast von 7 Metern Höhe inklusive einer 360-Grad-Kamera, also einer Kamera, die aus der Höhe den Rundumblick über die Einsatzstelle schafft. Der ELW hat vier fest installierte Funkgeräte und zehn Handfunkgeräte, umfangreiche Lade- und Fahrzeugelektronik, einen mobilen Monitor (Außendarstellung Lageplan, Drohnenaufnahmen etc.) – und auch die Drohne der Feuerwehr findet hier ihren Platz.