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Datum: 16.05.2022

Kunst mit Feuerwehr

Projekt-Stipendiaten haben mit Brandschützern ein Paste-Up für den Kulturspeicher Dörenthe gefertigt

Kunst mit Feuerwehr
Die Feuerwehr Ibbenbüren nahm an einem Kunstprojekt teil und half auch beim Anbringen der Paste-Ups am Kulturspeicher Dörenthe. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Ibbenbüren, 16. Mai 2022. Die Feuerwehr Ibbenbüren hat ein echtes Herz für die Kunst. Das hat sie vor einigen Wochen unter Beweis gestellt. Rund 30 Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren haben an einem Kunstprojekt der beiden Berliner Künstler Maria Vill und David Mannstein, Stipendiaten des Projektstipendiums „KunstKommunikation“ am DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, teilgenommen. Das Ergebnis ist jetzt am Kulturspeicher in Dörenthe zu bewundern. Dort sind Bilder der Feuerwehrfrauen und -männer auf ganzer Höhe der Fassade angebracht. Beeindruckend.

Das Projekt nennt sich „Paste Up History!“ und setzt ganz gezielt auf Mitmach-Interessierte aus der lokalen Bevölkerung, Vereinen und soziokulturellen Institutionen. Es wird gefördert vom DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, vom Regionalen Kulturprogramm NRW und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Die Feuerwehr am Kulturspeicher ist dabei Teil eines größeren Projektes mit mehreren Installationen im gesamten Kreis Steinfurt. „Paste-Ups, das sind geklebte Bilder, die in größeren Dimensionen auf Fassaden und Mauern im öffentlichen Raum geklebt werden“, sagt Maria Vill. Später können sie wieder rückstandslos entfernt werden. Gebäude leiden nicht. „Es ist ein temporäres Projekt“, sagt die Künstlerin. „In Berlin hat mal eines zwei Jahre gehalten, aber je nach Wetter und Witterung können es auch mal nur zwei Monate sein.“

Die Idee dahinter habe auch einen gewissen archäologischen Charakter. „Wir wollen lokale Geschichte und Geschichten sammeln und visualisieren“, sagt Maria Vill. „Wir bringen keine fertige Kunst mit, sondern gehen mit den Menschen vor Ort auf Geschichten und Motivsuche und laden sie ein, mitzumachen.“ Die Fotocollagen setzen sich kreativ mit der Heimat und Zeitgeschichte sowie mit Themen von Stadt- und Gesellschaftsentwicklung auseinander und visualisieren diese auf poetische Weise. „Wir machen ihre Geschichten sichtbar.“

Wie bei Feuerwehr und Kulturspeicher. „Auf das Gebäude sind wir gekommen, weil wir mit den einzelnen Projektteilen eine Runde anlegen wollten, die man mit dem Fahrrad fahren kann“, erzählt Maria Vill. Die Runde startet am Kloster Gravenhorst, „und da hat sich der Kulturspeicher in Dörenthe angeboten“. In Ibbenbürens südlichstem Stadtteil selber seien den Künstlern die Plakate begegnet, auf denen der Löschzug Dörenthe um Mitglieder wirbt. „Es war eine relativ spontane Idee.“

Aber mit Vorgeschichte. „Wir haben vor einigen Jahren schon einmal etwas mit der Röllfelder Feuerwehr gemacht, das hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir uns schon lange auf eine neue Feuerwehr-Künstler-Koproduktion gefreut haben“, sagt Maria Vill lachend. „Wir haben uns von dem Magritte-Bild ‚Golconda‘ inspirieren lassen und finden es gut, wenn das Motiv auch mit Menschen vor Ort verknüpft ist.“ Ihr und David Mannsteins Projekt sei eine Wertschätzung der Freiwilligen Feuerwehr, die ein elementarer Teil der Kultur sei. „Sie ist nicht nur Helfer in Notsituationen, sondern darüber hinaus wichtiger Bestandteil und Förderer des sozialen Miteinanders in Dorfgemeinschaften.“

Die Bilder der Feuerwehrfrauen und -männer wurden innerhalb weniger Stunden an der Feuer- und Rettungswache am Niedersachsenring gemacht, jetzt am Montag wurden die ersten Paste-Ups am Kulturspeicher angebracht. Am Samstag, 21. Mai, sind die beiden Künstler dann um 11 Uhr vor Ort am Kulturspeicher und präsentieren ihr Kunstwerk im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten „Ein Kessel Buntes“ der Öffentlichkeit.

Das Festival findet anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Regionalen Kulturprogramms NRW statt, mit mehreren Sternwanderungen in der Region und einem Abschlussfest im Mühlenhof Münster. Eine der Wanderungen führt vom Kulturspeicher zum Kunsthaus Kloster Gravenhorst. Eine ideale Gelegenheit, das Projekt zu präsentieren und Fragen interessierter Gäste zu beantworten. „Wir freuen uns, wenn wir mit vielen Menschen zu unserer Kunst ins Gespräch kommen“, sagt Maria Vill. Interessierte können auch die Sternwanderung nach Gravenhorst begleiten. Auch dort laden Maria Vill und David Mannstein zu einem weiteren Paste-Up unter Einbeziehung der Gäste ein. „Sie können dann auch Teil des Gesamtprojektes werden.“

Kunst mit Feuerwehr
Die Feuerwehr Ibbenbüren nahm an einem Kunstprojekt teil und half auch beim Anbringen der Paste-Ups am Kulturspeicher Dörenthe. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Die Kulturwanderung und Sternfahrt des Kulturbüros Münsterland beginnt in Dörenthe mit einem kurzen Programm am Speicher am Samstag um 11 Uhr. Infos und Tickets für die Sternwanderung kann man unter folgendem Link beziehen: https://www.muensterland.com/kultur/eigene-projekte/ein-kessel-buntes/sternfahrt-kreis-steinfurt/ oder telefonisch unter 02571/949392. Wer am kompletten Programm mit Busshuttle etc. teilnehmen möchten, müssen ein Ticket kaufen. Interessierte Feuerwehrleute dürfen kostenlos teilnehmen.

Und die Feuerwehr? „Wir haben gerne an diesem Projekt teilgenommen“, sagt der Leiter der Wehr, Marko Lammerskitten. „Für uns bedeutet das gerade in Dörenthe wieder ein bisschen Öffentlichkeit, und es war mal ein Einsatz der anderen Art. Und: Wir helfen, wo wir können.“