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Datum: 30.11.2022

Ibbenbürens Experten fordern: Klettern! Rutschen! Schaukeln!

Spielplatzleitplanung: Kinderbeteiligung für drei Projekte mit großer Resonanz / Bürgermeister lobt Kreativität der Nachwuchs-Planer

Ibbenbürens Experten fordern: Klettern! Rutschen! Schaukeln!
Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer lässt sich von den Kindern erklären, wie sie sich den Spielplatz an der Edith-Stein-Straße in Laggenbeck künftig vorstellen. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Ibbenbüren, 30. November 2022. Eigentlich ein Traum für jedes Kind. Selbst darüber zu bestimmen, wie der Spielplatz direkt vor der Haustür aussehen soll. Selbst entscheiden, ob mehr geklettert oder geschaukelt werden soll. Und ob Piraten oder vielleicht doch Dinosaurier das Oberthema des Spielplatzes werden sollen. Eigentlich ein Traum. Nur eigentlich? In Ibbenbüren nicht, da ist es Wirklichkeit. Bei der Sanierung oder der Neugestaltung von Spielplätzen werden in Ibbenbüren die wahren Experten gehört – und das sind die Kinder, die dort spielen.

Die Spielplatzleitplanung der Stadt Ibbenbüren hat in den vergangenen Jahren schon viel für die Kinder der Stadt erreicht. Von 35 zu sanierenden Kinderspielplätzen sind seit Beschluss der Kinderspielplatzleitplanung in einem Zeitraum von gut fünf Jahren bereits 19 Kinderspielplätze saniert worden. Drei Kinderspielplätze, die eigentlich geschlossen werden sollten, wurden erhalten. Und jetzt soll es weitergehen. Es werden als nächstes zwei Spielplätze saniert, und zwar der Kinderspielplatz Edith-Stein-Straße und der Kinderspielplatz Kiebitzgrund. Darüber hinaus wird an der Straße „Am Wasserwerk“ in Ibbenbüren-Dörenthe ein Kinderspielplatz neu gebaut. Da braucht es Experten-Hilfe. Von Kindern. Die wissen schließlich am besten, was sie brauchen, um Spaß zu haben.

Denn diese Plätze sollen nicht nur FÜR Kinder, sondern vor allem MIT Kindern gebaut werden. „Ziel ist es, mit den Kindern gemeinsame kreative Vorschläge und Ideen für den neu zu gestaltenden Spielplatz zu entwickeln, da die Kinder am besten wissen, wie ihr Spielplatz aussehen soll, was fehlt und was wir besser machen können“, erläutert Alina Reuschel aus dem städtischen Fachdienst Stadtplanung. Dafür wurden Kids der (Spielplatz-) Umgebung eingeladen.

Am Kiebitzgrund in Schierloh war der 8-jährige Jonas einer der Experten, die sich bestens vorbereitet an der Planung ihres neuen Spielparadieses beteiligten. Er wünschte sich vor allem ein Klettergerüst. „Weil Klettern Spaß macht.“ Schaukel und Wippe wären auch schön. Elisa wünschte sich ein Trampolin. „Und zwar mit einem Dach“. Nicht irgendeinem, sondern: „Einem, das sich bei Regen schließt.“ Überhaupt zeigten sich die Kinder hochengagiert und kreativ bei der Spielplatzplanung. Labyrinth – Feuerwehrstange und Feuerwehrauto – Klettergerüst; die Wünsche waren sehr konkret. Einige Kinder hatten sogar Bilder von den Spielgeräten gemalt, die sie sich wünschen. Klar war: Klettern muss sein, egal, ob Gerüst, Netz oder Seil.

Auch bei der Mottoauswahl für den neuen Spielplatz waren die Kids mit Eifer dabei – den größten Jubel bekam die Ritterburg. Die Wunschliste der Kinder war sehr lang und die Planer vom Landschaftsarchitekturbüro „Die Grünplaner – Landschaftsarchitekten“ kamen bei dem Notieren der vielen Ideen dank der tollen Beteiligung der Kinder ganz schön ins Schwitzen. Die Kinder durften auch ihre eigenen Pläne zeichnen. Die Planer und das Team der Stadtverwaltung waren beeindruckt von der Detailschärfe und den tollen Ideen der Kinder.
Auch die Eltern konnten ihre Wünsche äußern. Sie baten unter anderem um einen Picknicktisch und eine gute Verschattung. Auch war ihnen aufgefallen, dass ihre Kinder sehr gern in den angrenzenden Sträuchern spielten und baten um den Erhalt eben dieser.

Ibbenbürens Experten fordern: Klettern! Rutschen! Schaukeln!
Elisa (7) malt, wie sie den Spielplatz Kiebitzgrund gerne haben möchte. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Am Wasserwerk in Dörenthe entsteht ein ganz neuer Spielplatz. Hier können die Kids quasi bei Null anfangen – auch nicht alltäglich. Das Interesse war hier besonders hoch, es waren mehr Kinder und Eltern da als sich angemeldet hatten. Der nächste Kinderspielplatz wäre nämlich ein ganzes Stück entfernt. Die Kinder müssten über die Münsterstraße. „Deswegen haben wir jetzt auch vor, hier einen neuen Spielplatz zu errichten“, erklärt der Technische Beigeordnete der Stadt Ibbenbüren, Uwe Manteuffel. Hier wurde neben Klettern, Trampolinspringen und Schaukeln auch oft Fußball genannt – und sogar Ponyreiten. Aber es gab auch hier Elternwünsche – konkret unter anderem einen Sonnenschutz.

In Laggenbeck hatte sich Lia (7) ganz besonders intensiv darauf vorbereitet, den Erwachsenen mal zu präsentieren, wie ein cooler Spielplatz aussehen soll – zwei Wochen im Voraus hatte sie sich schon Gedanken gemacht. Das beeindruckte nicht nur die Planer, sondern auch Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, die Ideen der Kinder auch mal selbst hören zu können. Aber auch all die anderen Kinder präsentierten tolle Vorschläge. Lena Temmen von den „Grünplanern“ hatte gar keine große Mühe, im Gespräch mit den jungen Spielexpertinnen und -experten die vielen Spielideen herauszulocken. Und auch hier standen Rutschen und Klettern besonders hoch im Kurs. Aber auch die Klassiker wie Drehkarussell, Turnstange, Rutsche und Schaukel waren immer noch aktuell. „Ihr helft den Planern, dass sie gut planen können“, lobte der Bürgermeister die Kinder. „Wir freuen uns, dass Ihr mit uns überlegt, wie man einen tollen Spielplatz gestalten kann.“ Er dankte aber auch den Eltern, dass sie sich die Zeit dafür nehmen, ihre Kinder zu diesem Workshop zu begleiten.

Ibbenbürens Experten fordern: Klettern! Rutschen! Schaukeln!
Der Kreativität war bei der Kinderbeteiligung zur Spielplatzplanung keine Grenze gesetzt. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

„Spielen ist wichtig“, sagt Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer. „Im Spiel setzen sich Kinder aktiv und intensiv mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinander. Das Spiel bietet daher ideale Voraussetzungen für erfolgreiche Lern¬prozesse in allen Bereichen der kindlichen Entwicklung.“ Deshalb investiert die Stadt auch stark in die Spielmöglichkeiten der Kinder. In den vergangenen Jahren schon rund 1 Million Euro. Für die Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder plant die Stadt an Investitionen für den Kinderspielplatz Edith-Stein-Straße 78.000 Euro, für den Kinderspielplatz Kiebitzgrund 88.000 Euro und für den neuen Kinderspielplatz Am Wasserwerk 150.000 Euro ein. Die Beteiligung der Kinder an der Planung habe sich bewährt, so der Verwaltungschef. „Die Kinder identifizieren sich dann wirklich mit ‚ihrem‘ Spielplatz.“ Und sie machen die ganz wichtige Erfahrung, dass ihre Meinung wirklich gefragt ist. „Die Kinder sind für uns Partner.“

Nach den drei Veranstaltungen nimmt das Landschaftsarchitekturbüro „Die Grünplaner – Landschaftsarchitekten“ aus Rheine die Ideen und Wünsche der Kids mit „nach Hause“ und versucht, diese weitestmöglich in den Entwurf einzubauen. „Unser Zeitplan sieht vor, dass wir noch vor Weihnachten die Vorentwürfe besprechen und im Januar dann die fertigen Entwürfe haben“, sagt die städtische Fachdienstleiterin Stadtplanung, Monika Kaß. Bestenfalls könnte dann im April/Mai gebaut werden – und bald danach auch gespielt. Und das übernehmen dann natürlich ebenfalls die Experten, schließlich haben sie sich das Setting ja auch ausgesucht…