Inhalt

Unterstützung bei der Deckung des täglichen Lebensbedarfes

Zu hohe Lebenskosten: Welche Hilfen gibt es? / Sozialhilfe: 2021 waren 709 Empfänger in Ibbenbüren erfasst

Ibbenbüren, 20. Oktober 2022. Die Empfängerzahlen für Sozialhilfe in Ibbenbüren sind in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Das geht aus den aktuellen Sozialdaten der Stadtverwaltung hervor. 2021 waren es 709 Empfänger, 2020 noch 696. 2019 sogar nur 642. In den Jahren davor waren die Zahlen weitgehend stabil auf einem Niveau oberhalb der 600er Marke.

Dabei lohnt ein Blick ins Detail, denn die Sozialhilfe gliedert sich in zwei Bereiche – die Grundsicherung im Alter und die Grundsicherung bei Erwerbsminderung. Für die Grundsicherung bei Erwerbsminderung sind die Zahlen von 2020 auf 2021 leicht zurückgegangen, von 400 auf 396. Allerdings war hier von 2019 auf 2020 ein großer Sprung zu verzeichnen (von 355 auf 400). Anders sieht es bei der Grundsicherung im Alter aus. Hier sind seit einigen Jahren steigende Zahlen zu verzeichnen. Waren es 2016 noch 261 Empfänger, so lag die Zahl im vergangenen Jahr bei 313 (2020: 296).

Die Nettoaufwendungen sind entsprechend von 3,69 Millionen Euro 2019 auf 4,792 Millionen Euro in 2021 gestiegen. Die Steigerung der Aufwendungen ist zum Beispiel darin begründet, dass während der Corona-Pandemie nicht nur die angemessenen Kosten der Unterkunft, sondern die tatsächlichen Kosten bei der Leistungsberechnung berücksichtigt werden.

Die Sozialhilfe ist auch in der aktuellen Situation ein wichtiges Instrument der Unterstützung für die Menschen. Die Auswirkungen der Preissteigerungen für Energie erfahren die Bürgerinnen und Bürger der Region aktuell nicht nur über ihre Strom- und Heizkostenrechnungen. Auch viele Produkte, die für den täglichen Lebensbedarf gebraucht werden, sind zum großen Teil ganz erheblich teurer geworden. Für viele Menschen wird es daher entsprechend immer schwieriger, diesen alltäglichen Bedarf aus eigener Kraft zu decken. Wenn das nicht mehr gelingt, dann unterstützt der Staat. Zum Beispiel durch Sozialhilfe.

Die Sozialhilfe erbringt Leistungen für nicht-erwerbsfähige Personen und Haushalte, die ihren Bedarf nicht aus eigener Kraft decken können und auch keine (ausreichenden) Ansprüche aus vorgelagerten Versicherungs- und Versorgungssystemen haben. Die Sozialhilfe schützt vor Armut und sozialer Ausgrenzung. Sie ist ein Bürgerrecht und keine milde Gabe des Staates. Im Falle unzureichenden Einkommens und Vermögens deckt die Sozialhilfe das menschenwürdige Existenzminimum ab.

Sozialhilfe, was ist das?

Nicht erwerbsfähige Personen erhalten soziale Hilfen auf der Grundlage des Sozialgesetzbuches XII (SGB XII). Dies beinhaltet die Grundsicherung bei Erwerbsminderung und im Alter. Die Grundsicherung stellt den grundlegenden Bedarf für den Lebensunterhalt älterer und dauerhaft voll erwerbsgeminderter Personen sicher. Kinder beziehungsweise Eltern werden nicht zum Unterhalt herangezogen. Verfügen jedoch die Unterhaltspflichtigen über ein jährliches Einkommen ab 100.000 Euro, dann besteht kein Anspruch auf Grundsicherungsleistungen. Leistungen im Rahmen der Grundsicherung bei Erwerbsminderung im Alter sind abhängig von Einkommen und Vermögen. Dabei ist auch das Einkommen der Ehegattin beziehungsweise des Ehegatten zu berücksichtigen, sofern sie nicht getrennt voneinander leben. Für erwerbsfähige Personen gibt es das Arbeitslosengeld II.

Wer hat Anspruch auf Sozialhilfe?

Anspruchsberechtigt sind Personen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben bzw. auf Dauer vollerwerbsgeminderte Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht selbst beschaffen können.

Grundsätzliche Bedingungen:

  • Nichterwerbsfähigkeit

Für Leistungen im Rahmen der Grundsicherung bei Erwerbsminderung im Alter:

  • gewöhnlicher Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland
  • erreichte Regelaltersgrenze (vollendete 65 Jahre + x Monate)
  • oder vollendetes 18. Lebensjahr und unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage volle Erwerbsminderung.
Wo kann ich Sozialhilfe beantragen?

Beim Fachdienst Soziales der Stadt Ibbenbüren.

Benötigt werden:

  • gültiger Personalausweis beziehungsweise Reisepass
  • Mietvertrag und Nachweis über die aktuelle Miethöhe (bei Mieterstatus)
  • Unterlagen über Wohneigentum (bei Wohneigentümerstatus)
  • Nachweis über die aktuellen Heizkosten
  • Unterlagen zu Versicherungen aller Art (Lebens-, Unfall, Hausrat-, Haftpflichtversicherungen und ähnliches)
  • sämtliche Einkommensnachweise aller Familienangehörigen, die mit im Haushalt leben (Verdienstabrechnungen, Bescheide der Bundesagentur für Arbeit, Wohngeld-, Renten-, Kindergeld-, Unterhaltsbescheide und so weiter)
  • Sparbücher, Bausparverträge, Sparverträge (auch Vermögenswirksame Leistungen) und andere Vermögensunterlagen aller Haushaltsangehörigen
  • vollständige Kontounterlagen der vergangenen drei Monate

Wichtig: Bei Aufnahme des Antrages können noch weitere Unterlagen notwendig werden. Es wird empfohlen, vor der ersten Vorsprache telefonisch Kontakt mit dem zuständigen Ansprechpartner im städtischen Fachdienst Soziales aufzunehmen.

Weitere Infos: www.bmas.de oder www.ibbenbueren.de/sozialhilfe

Ich beziehe bereits Sozialhilfe – werden die Energiekosten übernommen?

Wer Sozialhilfe erhält, für den gelten die gleichen Regeln, wie für Menschen mit Arbeitslosengeld II bzw. Hartz IV. Der notwendige Lebensunterhalt schließt auch in der Sozialhilfe die Heizkosten ein. Es werden die tatsächlichen Heiz- und Warmwasserkosten anerkannt, soweit diese für die Beheizung der Wohnung sowie für Warmwasser notwendig und angemessen sind. Wer Sozialhilfe bekommt, hat somit auch einen Anspruch auf eine Übernahme der Heizkosten, sofern die Wohnung angemessen groß ist und nicht offensichtlich unwirtschaftlich geheizt wird. Wird das Wasser in der Wohnung zentral über die Heizungsanlage aufgewärmt, zählen auch die Kosten für Warmwasser zu den Nebenkosten, die im Rahmen der Kosten der Unterkunft vom Sozialamt erbracht werden. Wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Heizkostenabrechnung erhalten, sollten sie umgehend bei ihrem Sozialamt einen Antrag auf Übernahme der Heizkosten stellen. Die Energiekosten für den allgemeinen Stromverbrauch im Haushalt (beispielsweise Haushaltsstrom für elektrische Geräte und Beleuchtung) werden nicht separat vom Sozialamt übernommen. Sie sind bereits im monatlichen Regelsatz enthalten. Sowohl (höhere) monatliche Stromkosten als auch Nachforderungen von Stromkosten sind daher aus dem jeweiligen monatlichen Regelsatz zu bezahlen (siehe Hartz IV).

Was immer geht

Im „Stromspar-Check“ erhalten Haushalte mit geringem Einkommen eine kostenlose Energiesparberatung in der eigenen Wohnung sowie Energie- und Wassersparartikel. Der Stromspar-Check (www.stromspar-check.de) ist ein Angebot des Deutschen Caritasverbandes und des Bundesverbandes der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Die Beratung erfolgt neutral und unabhängig. Wer beim Stromspar-Check mitmacht, erhält kostenlos Energie- und Wasserspar-Technik, mit der das Sparen sofort beginnt. Soforthilfen im Wert von durchschnittlich 70 Euro werden im Rahmen eines Stromspar-Checks ausgegeben – kostenfrei. Das sind z.B.: LED-Lampen, schaltbare Steckdosenleisten, Zeitschaltuhren und Thermostopps, Strahlregler (Luftsprudler) und Wasser sparende Duschköpfe. Die Montage übernehmen die Stromsparteams gleich mit.

Mehr zum Thema
20.10.2022