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Datum: 24.11.2022

Wo die industrielle Energiewende schon Wirklichkeit ist

Spitze der Ibbenbürener Stadtverwaltung besucht Steinbruch der Westermann GmbH und Co. KG

Wo die industrielle Energiewende schon Wirklichkeit ist
André Menger (r.) führte Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer, Barbara Westermann, den Technischen Beigeordneten Uwe Manteuffel, Christina Hüsken, Andreas Westermann sowie den Ersten Beigeordneten Martin Burlage (v. r.) durch die großen Photovoltaik-Anlagen auf dem Steinbruchgelände »Up de Hee«. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Ibbenbüren, 24. November 2022. Pandemiebedingt waren Besichtigungen lokal ansässiger Betriebe für Kontaktpflege und Informationsaustausch durch die Ibbenbürener Stadtverwaltung in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Nun nutzte Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer die Gelegenheit, mal wieder ein Ibbenbürener Unternehmen zu besuchen. Er war zu Gast bei der „Westermann GmbH und Co. KG“ im Steinbruch „Up de Hee“ in Ibbenbüren-Uffeln. Ein Unternehmen, das als Steinbruch in der Region zu den besonderen Firmen zählt. Denn: Es sticht dadurch heraus, dass es ganz stark auf erneuerbare Energien setzt.

Während des rund zweistündigen Aufenthaltes im Steinbruch erläuterte Geschäftsführer André Menger dem Bürgermeister, dem Ersten Beigeordneten Martin Burlage und dem Technischen Beigeordneten Uwe Manteuffel ausführlich vor allem die Investitionen, die das Unternehmen in Sachen Energieeffizienz und ganz besonders in die Photovoltaik getätigt hat.

Und das ist nicht eben wenig. „Aktuell haben wir Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 800 Kilowatt Peak (kWp) am Netz“, erläutert André Menger. Davon seien 750 kWp im April dieses Jahres, aufgeständert auf der ehemaligen und rekultivierten Hausmülldeponie, ans Netz gegangen. „Zusätzlich erweitern wir aktuell die PV-Anlage um 1 Megawatt-Peak und in 2024 werden noch einmal 500 Kilowatt-Peak dazukommen.“ Was diese Zahlen bedeuten? Bei einer nach Süden ausgerichteten PV-Anlage sind pro Kilowatt-Peak Nennleistung jährlich etwa 950 Kilowattstunden (kWh) Ertrag zu erwarten. Zum Vergleich: Für Deutschland gilt ungefähr, dass zwei Personen durchschnittlich 2.000 kWh Strom pro Jahr im Mehrfamilienhaus bzw. 3.000 kWh im Einfamilienhaus (ohne Warmwasser) verbrauchen.

Die Arbeitsprozesse im Steinbruch seien unter dem Gesichtspunkt einer Maximierung des Eigenverbrauchs des Stroms aus den PV-Anlagen zeitlich optimiert worden. „So können wir die Solarenergie noch effizienter nutzen und unseren Netzbezug an Strom weiter senken“, sagt André Menger.

Damit aber nicht genug, denn das Ziel, soweit wie möglich energieautark zu sein, verfolge die Firma Westermann noch auf anderen Feldern, erläuterte Menger. „Zusätzlich erhöhen wir unseren Autarkiegrad derzeit mit zwei Blockheizkraftwerken, die zukünftig auch mit Wasserstoff betrieben werden können.“ Sie haben eine Leistung von 330 Kilowatt und 50 Kilowatt. Im April 2023 werde noch ein drittes BHKW mit 50 Kilowatt installiert. „Durch konsequentes Energiesparen und den Ausbau der regenerativen Energien werden wir unseren Energiezukauf auf ein Minimum reduzieren können.“ Auch in Sachen Sanierung habe man die Energieeffizienz im Blick gehabt: neue Übergabestation, neue Trafos, etc… „Rückblickend haben wir definitiv die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagt André Menger.

Darüber hinaus führte Menger die Gäste aus der Verwaltung zusammen mit Barbara und Andreas Westermann noch durch den Steinbruch „Up de Hee“ und erläuterte die Arbeit des Unternehmens. In Uffeln würden Schieferton und Sandstein abgebaut. „Alle Materialien gehören zu den hier vorkommenden Rohstoffen in der Schafbergplatte.“ Verwendung fänden die Produkte im Wasser-, Wege-, Straßen- und Tiefbau, aber auch im Haus- sowie Garten- und Landschaftsbau. Und: Das Unternehmen besitzt eine eigene Schiffsbeladung am Stichkanal, km 0,26 (ehemals Mittellandkanal – alte Fahrt).

Wo die industrielle Energiewende schon Wirklichkeit ist
Die Gäste aus der Verwaltung nahmen die PV-Anlagen ganz genau in Augenschein. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer zeigte sich beeindruckt vom starken Engagement des Unternehmens in Sachen Energiewende. „Die Flexibilität in den Arbeitsprozessen, die hier gelebt wird, um einen optimierten Eigenverbrauch der selbst erzeugten Energie zu erreichen, hat sicherlich in der Branche Modellcharakter.“ Es sei schon beeindruckend, mit welcher Entschiedenheit hier auf die erneuerbaren Energien gesetzt werde. Konsequent Potenziale für erneuerbare Energien zu ermitteln und dann auch zu nutzen, sei heute der Schlüssel für den Erfolg eines jeden Unternehmens und der Energiewende. Und das insbesondere unter dem Aspekt, dass es sich hier um eine sehr energieintensive Branche handele. „Das ist für uns als Stadt natürlich auch gut. Wir können dieses Engagement fördern, indem wir auch lokal Anreize schaffen, diesen Schritt zu gehen“, so der Bürgermeister weiter. Zum Beispiel durch Förderprogramme wie den Klimafonds, der sich eben an Unternehmen und an Privathaushalte richte und gewerblich genutzte Photovoltaik-Anlagen ebenfalls finanziell fördere. Gerade das Thema Photovoltaik stehe bei der Stadt ganz hoch im Kurs. In den vergangenen Jahren sind auf zahlreichen städtischen Gebäuden Photovoltaikanlagen entstanden, aktuell wird auf der Fahrzeughalle der Feuer- und Rettungswache am Niedersachsenring eine große Anlage installiert. „Wir achten schon länger darauf, bei allen Investitionen sowie Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen, erneuerbare Energien zu nutzen, um den Verbrauch von fossilen Energieträgern auf Sicht gänzlich zu vermeiden.“

André Menger dankte der Verwaltung für den Besuch, aber auch für die gute Zusammenarbeit. Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer und der Westermann-Geschäftsführer versprachen, den Kontakt weiter zu halten, um die Rahmenbedingungen vor Ort gestalten zu können.