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Datum: 26.06.2020

Neuer Kulturmanager hat schon einiges auf den Weg gebracht

Carsten Amelingmeyer hat coronabedingt eher leise seine Tätigkeit aufgenommen

Gebannter Blick auf den Vorhang
»Neue Akzente setzen mit etwas, das man so vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hat«: Für das städtische Kulturprogramm setzt Carsten Amelingmeyer auch auf Überraschungseffekte. (Foto: Stadt Ibbenbüren / André Hagel)

Ibbenbüren, 26. Juni 2020. Als er kam, war Corona gerade schon dagewesen. Ausgerechnet. „Ich stand, als ich meinen Dienst antreten wollte, tatsächlich vor verschlossenen Türen, denn der Lockdown für das Kulturhaus hatte gerade gegriffen“, sagt Carsten Amelingmeyer. Das war am 15. März. Es musste erst aufgeschlossen werden, damit der 31-Jährige sein Büro aufsuchen konnte, um mit der Arbeit loszulegen. Die Pandemie, die mitsamt ihren Folgen und den Maßnahmen dagegen alle öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog, sorgte auch dafür, dass Ankunft und Einstieg des neuen Kulturmanagers der Stadt Ibbenbüren eher unbemerkt verliefen. Unbemerkt, wohlverstanden, nicht arbeitslos. Denn seit Mitte März hat sich Amelingmeyer emsig in sein neues Tätigkeitsfeld eingefuchst und schon einiges mit auf den Weg gebracht.

Kind der Region

Aber der Reihe nach. Zunächst einmal: Wer ist der junge Mann, der seit dem Frühjahr für die Gestaltung des städtischen Kulturprogramms – von Drama bis Kabarett, von Klassiker bis Leichtkost – verantwortlich zeichnet? Auf eine kurze Formel gebracht: Carsten Amelingmeyer ist ein Kind der Region. Geboren wurde er im Sternzeichen des Wassermanns 1989 noch in Osnabrück. Aber bereits mit einem Jahr ging es, im Gefolge der Eltern, ansiedlungstechnisch nach Hörstel-Bevergern. Er besuchte in Ibbenbüren das Johannes-Kepler-Gymnasium. Seit 2009 lebt er wieder in seiner Geburtsstadt.

Die Bildungs- und Berufsbiografie des neuen Kulturmanagers, sie liest sich spannend. Amelingmeyer ist studierter Jazzmusiker, außerdem Instrumentalpädagoge, hat zudem eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton durchlaufen. Er war beim Osnabrücker Musiklabel Timezone im Management beschäftigt, hat in der Unternehmensberatung gearbeitet, war im emsländischen Lingen Projektmanager für E-Lernen, ebenso Dozent bei der Ibbenbürener Jugendkulturinitiative Pink Pop e.V. Amelingmeyer hat mit eigener Band darüber hinaus Konzerte im europäischen Maßstab gespielt. „Ich war Tourmanager, Booker, Marketing- und Vertriebsmensch in einem“, umreißt er seinen Job hierbei. Musiker dabei nicht zu vergessen. Das ist – ja, einiges. Sogar sehr viel.

„Es schließt sich ein Kreis“

An dem Ibbenbürener Stellenangebot fand Carsten Amelingmeyer schließlich Gefallen, „weil ich zum einen vom E-Learning zurück ins Kulturgeschehen gehen und zum anderen das alles mit Aspekten des Managements verknüpfen konnte“, wie er es für sich auf den Punkt bringt. Das Ergebnis von Amelingmeyers Bewerbung bei der Stadt Ibbenbüren ist bekannt. Es hat ihn zum Kulturmanager gemacht. „Für mich schließt sich jetzt ein Kreis. Das freut mich“, sagt der erfolgreiche Bewerber selbst dazu.

Wir knüpfen da an, wo wir zu Anfang unterbrochen haben: Arbeit. Die gab es im Kulturhaus Ibbenbüren auch nach dem Corona-Lockdown. Viel sogar. Reichlich. Zwar stand bei Ankunft Amelingmeyers bereits das Programm für die anstehende Kultur-Spielzeit 2020/21. Der neue Mitarbeiter des städtischen Fachdienstes VHS und Kultur stieg aber stantepede in die Arbeit an den Verträgen hierfür ein, brachte sich in die Gestaltung des Kulturprogrammheftes ein, reicherte das gewichtige Heft an, ging außerdem daran, seinen Bereich mit der Stadtbücherei Ibbenbüren und der Städtischen Musikschule – beide Nachbarn im Kulturhaus Ibbenbüren – zu vernetzen. Für Amelingmeyer keine Frage: „Sowohl mit der Musikschule als auch mit der Stadtbücherei gibt es viele Synergien, die man nutzen kann. Deswegen wollen wir das forcieren und planen für die Zukunft verstärkt gemeinsame Projekte.“ Von der Haus- zur Projektgemeinschaft – der Weg ist zügig beschritten worden.

Start in sensibler Zeit

Auch ansonsten ist das, was sich der neue Kulturmanager der Stadt auf die To-do-Liste gesetzt hat, ambitioniert: „Wir müssen die Datensammlung zu unseren Zielgruppen noch stärker systematisieren und damit das Marketing zielgerichteter gestalten“, postuliert Carsten Amelingmeyer. Alter, Wohnort, andere Faktoren – intensiver als bislang will er die geneigte Kulturkundschaft scannen, darüber hinaus programmatisch „auch mal was Neues wagen“, etwa Augmented Reality zum Thema machen. „Neue Akzente setzen mit etwas, das man so vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hat“, findet er die Formel für einen Weg, der durchaus mal Schlenker mit Überraschungseffekt erlaubt. Und: Er möchte endlich im Bürgerhaus Ibbenbüren Liveluft schnuppern und das Publikum kennen lernen. Der September bleibt für ihn als Beginn der neuen Spielzeit gesetzt. Der städtische Kulturmanager schaut positiv auf das Kommende. Die aktuelle Erlasslage in Sachen Corona-Pandemie spielt ihm sozusagen zu.

Erlasslagen. Infektionsschutz. Lockdowns. Lockerungen… Corona, ja. Die leidige Pandemie ist deutschlandweit eine Faust im Magen des Kulturbetriebes. Und wir reden hier nicht von Goethes Faust. Der Schlag hat gesessen und schmerzt immer noch. Bei ausfallbetroffenen Künstlern und Kulturschaffenden naturgemäß mehr als bei den Konsumenten. Aber auch Letztere machen sich viele Gedanken. Zum Thema Corona ist Carsten Amelingmeyer jedenfalls derzeit auch in vielen Kundengesprächen. Er ist in seiner neuen Funktion in sensibler Zeit gestartet. Das neue Spielprogramm wird dies ebenfalls tun, das weiß der Kulturmanager. Er weiß aber auch um die Vorkehrungen, die greifen werden, um sicheren Kulturgenuss möglich zu machen. Und er weiß ebenso: „Viele freuen sich total auf den Start der neuen Spielzeit.“ Freude ist ein verlässliches Gegenmittel gegen den Verdruss der Pandemie. Carsten Amelingmeyer schaut in seinen Gedanken nicht weniger gebannt auf den Vorhang im Bürgerhaus als viele Kulturfreunde. Das Zur-Seite-Gleiten des Stoffes – es wird für den einen wie für die anderen ein magischer Moment werden. Mit Sicherheit.