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Datum: 18.03.2020

Das Glück in Zeiten von Corona

Offene Ganztagsschule: Inspirierende Themenreihe

Das Glück in Zeiten von Corona
Was ist Glück? Die Kinder der OGS an der Mauritiusschule sind seit Schuljahresbeginn auf einer Suchexpedition - und haben schon viele Antworten gefunden. (Foto: Stadt Ibbenbüren / André Hagel)

Ibbenbüren, 18. März 2020. Mit dem Glück ist es so eine Sache. Sucht man es, fehlt manchmal ein Stück vom Glück. Diese Erfahrung hat einst die bekannte Zeichentrickfigur Herr Rossi machen müssen. Die Kinder der Offenen Ganztagsschule (OGS) an der Mauritiusschule haben es da einfacher. Zwar stand für sie Herrn Rossis abenteuerliche Glückssuche als Idee am Beginn von allem. Sie allerdings haben seit Anfang des laufenden Schuljahres Glück schon in vielfacher Weise gefunden, erfahren – und anderen bereitet.

Wer in diesen Wochen die Gänge der Mauritiusschule durchschreitet, stößt an unterschiedlichen Stellen auf vielerlei Dinge, welche die Mädchen und Jungen der OGS seit Schuljahresbeginn im Rahmen einer Themenreihe erarbeitet haben. Der Schwerpunkt der Reihe: das Glück – im Allgemeinen und Besonderen.

Glückspilze, Glückskekse, Glücksschweine, Glücksbringer, Sonnenblumen und Graslilien als Glückssymbole…: Das Glück hat seitdem in vielfältiger Weise Einzug in den OGS-Alltag am Ibbenbürener Fröbelplatz gehalten. Von der glückvollen Glückssuche der Kinder zeugen Stationen, an denen nach dem Abreißzettelprinzip „Glück zum Mitnehmen“ offeriert wird. Kinder und Eltern haben auf Plakaten ihre Vorstellungen von Glück festgehalten. Die Steppkes haben erfahren, dass Malen und Häkeln Glück bereiten kann. Und weil echtes Glück nicht nur auf einen selbst bezogen ist, sondern sich im Miteinander mit anderen Menschen vervielfacht, haben die OGS-Schüler Glück darin gefunden, andere Menschen glücklich zu machen: Sie besuchen einmal im Monat alte Menschen im Seniorenheim, singen gemeinsam mit ihnen, malen mit den Alten Mandalas aus…

Barbara Wehmeyer, Leiterin der Offenen Ganztagsschule an der Mauritiusschule, muss unwillkürlich lächeln, als sie die Aktivitäten ihrer Schützlinge aufzählt: „Die Kinder haben sich für den Besuch im Seniorenheim extra schick gemacht“, berichtet sie. „Das unterstreicht die Bedeutung, die diese Besuche für sie haben. Das ist etwas Besonderes, und das will auch äußerlich zum Ausdruck gebracht werden.“

Sie selbst ist glücklich damit, dass die Themenreihe sich als Selbstläufer entpuppt hat. Es geht einfach immer weiter. Wie von selbst. Das ist gut so, denn: „Die Beschäftigung mit Glück hat positive Auswirkungen auf die Psyche von Menschen“, weiß Wehmeyer. „Es macht sie glücklicher, zufriedener, sie lächeln…“ Ebendies hat sie bei den 110 OGS-Kindern beobachten können. Und das ist durchaus erstaunlich, bedenkt man, wie das Tagespensum der Steppkes aussieht: „Die Kinder haben immer schon einen ganzen Arbeitstag hinter sich, wenn die OGS beginnt. Und dann folgt noch etwas. Es ist schon toll, wenn die Kinder nach all dem das Gefühl haben, einen schönen Tag gehabt zu haben – und zu sehen, dass sie glücklich sind.“ Dann weiß Barbara Wehmeyer auch, dass der Qualitätsanspruch des städtischen OGS-Angebotes wieder einmal aufgegangen ist. Denn hier geht es nicht um eine bloße Beschäftigung der Kinder mit irgendwas – sondern darum, sie auch innerlich weiterzubringen. Letzteres geschieht gerade nachdrücklich.

Die interessanteste Erkenntnis der Themenreihe? Barbara Wehmeyer muss nicht lange nachdenken, was ihr bislang am meisten aufgefallen ist: „Die Abfrage der Glücksvorstellungen bei den Kindern und ihren Eltern“, sagt sie ohne zu zögern. Schnell zeigte diese Untersuchung: „Glück ist für Kinder niedrigschwelliger, auch spontaner. Freunde etwa gehören für sie dazu, zu spielen…“, zählt die OGS-Leiterin auf. „Die Glücksbegriffe der Erwachsenen sind demgegenüber in höheren Ebenen angesiedelt, auch im Materiellen. Da geht es um Familie, um Gesundheit, aber auch um Aspekte wie Geld, Haus, Beförderung.“ Das vergleichsweise bescheidene Glück, im Supermarkt eine Packung Toilettenpapier zu ergattern, war noch unbekannt, als die Sammlung lief und die unterschiedlichen Vorstellungen kleiner wie größerer Glückssucher auf Plakaten verewigt wurden.

Wer sucht, ist unterwegs. Und so stehen für die munteren Steppkes der OGS auf ihrer Expedition ins Reich des Glücks noch einige Stationen an. Glückstagebücher werden sie führen, verrät Barbara Wehmeyer vorab. In Planung ist darüber hinaus eine Lach-AG. Weil auch aus guter Laune Glück erwachsen kann.

Kein Glück aber scheint wirklich dauerhaft rund zu sein, könnte man in diesen Wochen denken: Die Corona-Pandemie hat für eine unfreiwillige Unterbrechung des emsigen Glückschöpfens gesorgt. Der Schulunterricht ist erst einmal abgeblasen. Die Betreuung in der Offenen Ganztagsschule fällt ebenfalls flach. Und damit auch die Glücksschmiede der OGS-Kinder. Macht aber fast gar nichts. Wenn das Virus passé und die Normalität wieder eingekehrt ist, werden die Steppkes einfach dort weitermachen, wo sie aufgehört haben. Ebenso munter. Und wieder mit viel Elan. Weil es noch so viel zu entdecken gibt. Zum Glück. Denn sonst würde ja ein Stück vom Glück fehlen.