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Datum: 26.10.2021

„Ein richtig guter Job“: Neue Schiedspersonen gesucht

Wahl in der Ratssitzung im Februar

"Ein richtig guter Job": Neue Schiedspersonen gesucht
Jan Dirk Vorhoff (2.v.l.) und Edmund Michel (2.v.r.) mit der Justitia-Statue. Beide stellen sich demnächst wieder als Schiedsperson zur Wahl. Sabine Tietmeyer und Sebastian Janning vom Fachdienst Recht, Ordnung und Bürgerservice begleiten sie bei ihrer Arbeit und hoffen auf weitere Kandidaten. (Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer)

Ibbenbüren, 26. Oktober 2021. Die Stadt Ibbenbüren sucht neue Schiedsfrauen und Schiedsmänner. Schiedspersonen, das sind ehrenamtliche Streitschlichter, die vom Rat der Stadt gewählt und vom Amtsgericht vereidigt werden. Sie vermitteln bei bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wie Nachbarschaftsstreitigkeiten, aber auch bei sogenannten Privatklagesachen im Strafrecht. Ziel ist es, Menschen in Konfliktsituationen zu helfen und zu schlichten, ohne dass Behörden oder Gerichte bemüht werden müssen. In erster Linie stellen Schiedspersonen nach dem Motto „sich vertragen ist besser als klagen“ ein Gespräch zwischen den Parteien her, in dem diese selbst zu einer Lösung des Konflikts gelangen.

Von den drei Ibbenbürener Schiedspersonen tritt Ewald Halermöller nach langen Jahren im Amt nicht mehr an, Edmund Michel und Jan Dirk Vorhoff stellen sich wieder zur Wahl. Sie waren in den vergangenen vier Jahren zum ersten Mal Schiedspersonen in Ibbenbüren. Uns erzählen sie, was ihnen an ihrer Arbeit die größte Freude macht, warum sie keine Sekunde lang bereut haben, sich zur Verfügung zu stellen – und vom nicht zu unterschätzenden Wert eines Handschlages.

Herr Vorhoff, wie kam es dazu, dass Sie Schiedsmann wurden?
Jan Dirk Vorhoff: Die Stadt hatte vor vier Jahren per Anzeige nach Interessenten gesucht. Ich habe mir gedacht, es geht um Menschen, um Kommunikation und darum, Probleme zu lösen – da bewirbst du dich. Und es ist ein richtig guter Job.

Warum?
Vorhoff: Es ist einfach ein besonderes Gefühl, wenn man am Ende eines Schiedsverfahrens sagen kann, dass man wieder für ein bisschen Frieden gesorgt hat. Daraus ziehen wir unsere Motivation. Wir richten ja nicht, wir vermitteln.
Edmund Michel: Wenn man in einer Siedlung lebt, dann bekommt man die Streitigkeiten unter Nachbarn ja mit. Ich habe das immer als unsinnig empfunden, dass man sich nach 30, 40 Jahren Nachbarschaft über den Zaun hinweg zerstreitet. Das war für mich der Grund, mich als Schiedsmann zu engagieren. Und wir können viel bewegen. Oft klappt es, dass sich Nachbarn hinterher über den Zaun wieder die Hand reichen können. Und diese Handschläge, die halten dann auch. Ich hatte auch mal ein Verfahren, in dem wir zwar keinen Vergleich hinbekommen, die Parteien sich aber die Hand gegeben und gesagt haben, es würde nie wieder vorkommen. Hat geklappt, das Thema war für alle Zeiten durch.

Es geht aber nicht nur um Nachbarschaftsstreitigkeiten…
Vorhoff: Die Menschen denken ja immer, dass wir nur die „Gartensachen“ machen. Tatsächlich aber ist das Spektrum sehr viel breiter. Im Prinzip können wir überall aktiv werden, wo Menschen nicht mehr miteinander reden können. Dadurch kommen sehr spannende, teilweise auch sehr komplexe Aufgaben auf uns zu.

Mit welchem Gefühl geht man in sein erstes Schiedsverfahren?
Michel: Mit einem positiven. Ich habe mir gesagt, „vielleicht kriegst Du das ja hin, dass sich beide Seiten wieder vertragen“.
Vorhoff: Natürlich steigt der Adrenalinspiegel. Oft reden wir ja auch erstmal einzeln mit den beiden Parteien, sodass wir ein Bild von der Lage bekommen, bevor alle zusammensitzen. Wenn man das Problem auf ein, zwei Kernthemen reduzieren kann, wird es leichter. Die Ursache ist der Kern, wir hören zuerst ja oft die Spitze des Eisbergs.
Michel: Ich mache mittlerweile viele Termine vor Ort. Oft ist es erfolgreich, wenn jede Partei die Sichtweise der anderen Seite buchstäblich von der anderen Seite des Gartenzaunes selbst sehen kann. Da sieht nämlich manches anders aus. Wir können nur führen, die Lösung müssen die beiden Parteien selbst finden. Und diese selbst gefundenen Lösungen sind oft stabiler als vorgegebene.

Wieviel Zeit investieren Sie in Ihr Amt?
Vorhoff: Mehr als gedacht. An einem Verfahren sitzt man insgesamt rund zehn Stunden, oft muss man sich ja erstmal einarbeiten.
Michel: Das ist aber keine Belastung. Das macht Freude.
Vorhoff: Ein Schiedsamtsverfahren ist auch ein gesetzlich geregeltes, formelles Verfahren. Anstrengender ist deshalb eigentlich die begleitende Verwaltungstätigkeit. Aber das Gefühl, zwei Parteien zusammenzubringen, ist den Papierkram wert.

Oft werden Schiedspersonen ja als eine Art Richter angesehen…
Vorhoff: Das sind wir nicht. Wir sprechen ja kein Recht. Wir vermitteln. Das müssen wir häufig noch erklären, wenn wir im Auftrag einer Bürgerin oder eines Bürgers mit einem anderen Menschen Kontakt aufnehmen: Wir sind Mittelsleute.
Michel: Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten ist erfahrungsgemäß nie immer nur einer Schuld. Es sind immer beide Seiten beteiligt. Einigen sich beide Seiten, gibt jeder was. Nach einem Schiedsverfahren sollte sich keine Partei als Verlierer fühlen müssen.
Vorhoff: Wir sind natürlich auch nur Menschen. Wir müssen uns völlig neutral verhalten und den Menschen auch vermitteln, dass wir das schaffen. Darin liegt die Kunst, das Vertrauen aller Beteiligten zu gewinnen. Und wir unterliegen natürlich der gesetzlichen Schweigepflicht. Auch das öffnet Türen.

Nicht alles, was zu Ihnen kommt, endet automatisch in einem Schiedsverfahren…
Vorhoff: Es gibt auch noch die sogenannten Tür- und Angelgeschäfte. Da geben wir Leuten, die sich an uns wenden, Tipps, wie sie eine Angelegenheit vielleicht selbst regeln können. Auf jedes Schiedsverfahren kommen etwa zwei bis drei Tür- und Angelgeschäfte. Da erlebt man die verrücktesten Sachen, es ist immer spannend.

Sie stehen auch weiterhin als Schiedspersonen zur Verfügung?
Michel: Wenn der Rat mich wählt, ja.
Vorhoff: Ja, und wenn wir im Rat bestätigt werden sollten, dann werden wir jeder neuen Kollegin und jedem neuen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Michel: Ewald Halermöller hat uns am Anfang auch an die Hand genommen.
Vorhoff: Vom Ordnungsamt und Amtsgericht werden wir in Sachfragen ebenfalls ganz toll begleitet.

Wer Interesse hat Schiedsfrau oder Schiedsmann zu werden, schickt seine schriftliche Bewerbung unter Angabe des vollständigen Namens, der Anschrift, des Geburtsdatums, des Geburtsortes sowie eines Lebenslaufs an den Fachdienst Recht, Ordnung und Bürgerservice bei der Stadt Ibbenbüren, Alte Münsterstraße 16, 49477 Ibbenbüren. Für Fragen stehen Ihnen Sebastian Janning unter 05451 931-329 und Sabine Tietmeyer unter 05451 931-424 zur Verfügung.

Bewerbungen sollten bis Freitag, 26. November, eingehen. „Dann sichten wir“, erläutert Janning das weitere Vorgehen. Die Wahl der neuen Schiedspersonen wird dann in der Ratssitzung am 10. Februar 2022 erfolgen.

Zum Thema: Schiedspersonen

Drei Schiedsbezirke gibt es in Ibbenbüren. Die Bezirksgrenzen wurden anhand der Einwohnerzahl und Stimmbezirke festgelegt. Die drei einzelnen Bezirke waren 2017 in etwa gleich groß zwischen 17.000 und 18.000 Personen und sind durch Ratsbeschluss festgelegt worden. In der vorherigen Amtszeit gab es zwei Schiedsamtsbezirke. „Man hat sich dann in Absprache mit dem Amtsgericht Ibbenbüren dazu entschlossen, die Bezirke von zwei auf drei zu erhöhen, da auch die Fallzahlen gestiegen waren und ein langjähriger Schiedsmann aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stand“, sagt Sabine Tietmeyer aus dem Fachdienst Recht, Ordnung und Bürgerservice.

„Unsere Schiedsleute haben in den vergangenen Jahren tolle Arbeit geleistet“, sagt Fachdienstleiter Sebastian Janning. „Trotzdem würden wir uns freuen, wenn wir zur Wahl der Schiedspersonen in der Ratssitzung im Februar kommenden Jahres die Wahl unter möglichst vielen Kandidaten haben.“ Schön wäre es, wenn sich auch mal eine Frau oder ein Kandidat mit Migrationshintergrund bewerben würde, sagt er.

Für die Ausübung des Schiedsamtes sind insbesondere soziale Kompetenz, die Fähigkeit, zuhören zu können, zum Ausgleich und zur Vermittlung von herausragender Bedeutung. Die Bewerber sollten zwischen 30 und 70 Jahre alt sein und ihren ersten Wohnsitz im Schiedsbezirk haben, für den sie sich bewerben.