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Datum: 20.11.2020

„Gewalt kommt nicht in die Tüte“: Kampagne gegen Gewalt an Frauen

Jede dritte Frau wird mindestens einmal Opfer / Namhafte Bäckereien beteiligen sich an Aktion der Gleichstellungsbeauftragten

»Gewalt kommt nicht in die Tüte«: Kampagne gegen Gewalt an Frauen
Nicht ex und hopp, sondern gerne nachhaltig: Wenn die Brötchen aus der Tüte heraus sind, kann diese samt Hinweis auf Hilfe für Frauen und Mädchen gerne weiter die Runde machen. (Foto: Stadt Ibbenbüren / André Hagel)

Ibbenbüren / Tecklenburger Land / Kreis Steinfurt, 20. November 2020. Diese Statistik per Abzählen in einer beliebigen Fußgängerzone greifbar zu machen, lässt den Beobachter schnell verstört zurück: Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Das zeigen aktuelle Studien. Das Gebiet des Kreises Steinfurt ist hierbei alles andere als eine Ausnahmeregion: 300 Fälle von Gewalt an Frauen und Mädchen wurden in den vergangenen Jahren im Kreisgebiet alljährlich zur Anzeige gebracht. Wohlgemerkt, es handelt sich um angezeigte Fälle. Die Dunkelziffer ist hierbei noch nicht berücksichtigt. Gewalt an Frauen zieht sich durch alle Kreise und Schichten. Und: Nur ein geringer Teil der Opfer wendet sich an Beratungsstellen – was aber immens wichtig wäre.

Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem der Gewalt an Frauen zu lenken, beteiligen sich die Gleichstellungsbeauftragten im Tecklenburger Land am Mittwoch, 25. November, an der kreisweiten Kampagne „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Hierbei handelt es sich um eine Aktion, die in unkonventioneller, aber weit reichender Weise den gesellschaftlichen Missstand in den Mittelpunkt rückt: auf Brötchentüten. Namhafte, relevante Bäckereien im gesamten Kreis Steinfurt nehmen an dieser Aktion teil und unterstützen damit engagiert das Anliegen der Gleichstellungsbeauftragten.

Die möchten mit der Kampagne zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen nicht zuletzt auf eine konkrete Hilfe für Opfer aufmerksam machen: Um solchen von Gewalt betroffenen Mädchen und Frauen die Kontaktaufnahme zu erleichtern, die den Weg zu einer Einrichtung im Kreis Steinfurt zunächst scheuen, gibt es das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Dieses wurde vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben initiiert. Das Hilfetelefon ist ein Beratungsangebot in ganz Deutschland, das barrierefrei, kostenlos und vertraulich rund um die Uhr erreichbar ist – genau dann, wenn betroffene Frauen und Mädchen den Mut gefasst haben, sich jemandem anzuvertrauen.

Mehr als 80 qualifizierte Beraterinnen geben unter der Telefonnummer 08000 / 116016 sowie über Chat und E-Mail auf der Website www.hilfetelefon.de Auskunft zu häuslicher und sexueller Gewalt ebenso wie zu Stalking, Mobbing oder Zwangsheirat. Sie unterstützen jedoch nicht nur von diesen Gewaltformen betroffene Frauen und Mädchen, sondern beraten darüber hinaus auf Wunsch auch Familienmitglieder, Freunde und Fachkräfte. Jederzeit können Dolmetscherinnen für 17 Sprachen zugeschaltet werden.

Die Gleichstellungsbeauftragten im Tecklenburger Land möchten mit ihrer Teilnahme an der Tütenaktion dazu beitragen, dass möglichst viele Mädchen und Frauen von dem Beratungsangebot erfahren. Deshalb freuen sie sich, dass – nach zahlreichen vorbereitenden Gesprächen mit Läden und Ketten – am 25. November von teilnehmenden namhaften Bäckereien zahlreiche Brötchentüten mit dem Kampagnenslogan „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ sowie dem Hinweis auf das Hilfetelefon über die Ladentheke gereicht werden. Gerne, so der Gedanke dahinter, kann im Weiteren der Hinweis auf Hilfe von Hand zu Hand gehen. Er soll möglichst die Runde machen.

Mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen rufen die Vereinten Nationen weltweit an jedem 25. November dazu auf, alle Formen der Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen zu bekämpfen. Dieser Tag wurde dazu 1999 offiziell von den UN zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen. Den Anstoß dafür gab der Fall der drei Schwestern Maria Teresa, Minerva und Patria Mirabal. Diese waren Mitglieder der linksgerichteten Movimiento Revolucionario 14 de Junio (Revolutionäre Bewegung 14. Juni) in der Dominikanischen Republik. Sie wurden 1960 von Militärangehörigen des damaligen Diktators Rafael Trujillo verschleppt und ermordet. Der 25. November jenes Jahres ist der offizielle Todestag der drei Schwestern.